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	<title>Dokumentarfilm Archive - Olaf Winkler</title>
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	<description>Spiel- und Dokumentarfilme</description>
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		<title>Der Schmerz von „Magic Words (to break a spell)“</title>
		<link>https://olafwinkler.info/dok-leipzig-2012-magic-words-to-break-a-spell/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Nov 2014 22:41:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Schmerz einer 40-jährigen Filmemacherin (Mercedes Monica Rodriguez) – ausgedrückt in einem Dokumentarfilm – über die politische Entwicklung der revolutionären Sandinistischen Bewegung in Nicaragua, deren „historische Mission“ über den politischen Sturz des Diktators Somoza nicht hinausging, obgleich sie ökonomisch mehr versprach. (Ich gebe hier nur mit anderen Worten wieder, was ich verstanden habe – nicht [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Schmerz einer 40-jährigen Filmemacherin (Mercedes Monica Rodriguez) – ausgedrückt in einem Dokumentarfilm – über die politische Entwicklung der revolutionären Sandinistischen Bewegung in Nicaragua, deren „historische Mission“ über den politischen Sturz des Diktators Somoza nicht hinausging, obgleich sie ökonomisch mehr versprach. (Ich gebe hier nur mit anderen Worten wieder, was ich verstanden habe – nicht was ich tatsächlich darüber weiß, denn das ist wenig). Statt sozialer Gerechtigkeit für alle, entwickelte diese Bewegung wohl eine neue politische Elite, die offensichtlich die ökonomischen Potenziale des Landes in ihre eigenen Taschen umleitet(e). (Das kennt man irgendwie.) Diese neue Elite tut es – so scheint es – nicht auf jene unverhohlen brutale Weise wie Somoza und sein Clan, sondern hinter einer volkstümlich-prophetischen Maske versteckt. (Auch das kennt man hier.) Der Schmerz der Regisseurin, die selbst in der sandinistischen Bewegung groß wurde, findet starke Bilder. Metonymien und Metaphern, Situationen und Impressionen (in der Gegenwart wie aus dem Archiv) sowie starke Ideen: Ein Brief z.B. aus der Vergangenheit (von Augusto Sandino) an den gegenwärtigen Führer (Daniel Ortega)… Ich spare hier beschreibende Details aus und komme gleich zum Punkt: Im bitteren Schmerz kann die Regisseurin von ihrer Hoffnung nicht lassen. Und kann zugleich kein reales Argument für diese Hoffung aus ihren Beobachtungen heraus formulieren. Sie, die Hoffnung, mutet irrational an. Das ist das eigentlich Erschütternde. Nicht dass die Hoffnung irrational ist, sondern dass sie sich ins Irrationale zurückzieht. – Auf Nachfrage, in der anschließenden Diskussion, welche ökonomische Entwicklungsrichtung dieses Land nimmt, stellt sich heraus, dass eine Arbeitslosenzahl nicht existiert. Nicht weil es sie nicht gäbe, sondern weil es keine staatlichen Instrumente gibt, die sie erfassen könnten. Polit-ökonomische Selbst-Unkenntnis und sozialer Idealismus scheinen in diesem Land nebeneinander koexistieren zu müssen. Freilich, wohin könnte sich die Hoffnung dann noch zurückziehen – ohne Wissen über sich selbst – als dorthin, wo sie nun zu finden ist …</p>
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		<title>„Der Kapitän und sein Pirat“</title>
		<link>https://olafwinkler.info/der-kapitaen-und-sein-pirat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Dec 2012 15:28:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Somalia liegt am Golf von Aden und an der Arabischen See. ‚Zirkulationsfunktionäre’ (Reeder) schicken ihre Schiffe durch diese Wasserwege. Sie haben Lohnarbeiter angeheuert (Matrosen, Seeoffiziere und einen Kapitän), die das geladene Warenkapital (die heute übliche Form von Arbeitsprodukten) zu seinem Konsumenten bringen sollen, wo es sich durch Verkauf in Geld rückverwandelt – zu mehr Geld [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://olafwinkler.info/der-kapitaen-und-sein-pirat/">„Der Kapitän und sein Pirat“</a> erschien zuerst auf <a href="https://olafwinkler.info">Olaf Winkler</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Somalia liegt am Golf von Aden und an der Arabischen See. ‚Zirkulationsfunktionäre’ (Reeder) schicken ihre Schiffe durch diese Wasserwege. Sie haben Lohnarbeiter angeheuert (Matrosen, Seeoffiziere und einen Kapitän), die das geladene Warenkapital (die heute übliche Form von Arbeitsprodukten) zu seinem Konsumenten bringen sollen, wo es sich durch Verkauf in Geld rückverwandelt – zu mehr Geld als in ihre Produktion hinein gesteckt wurde. Doch verweilen wir an der Küste von Somalia: Was passiert da? Neue ökonomische ‚Figuren’ tauchen dort auf, die auf Schnellbooten heraneilen – Piraten – die sich dreier Dinge bemächtigen: Des Warenkapitals (des ‚Gewinnspeichers’); des Schiffes (einer ‚Zirkulationskost’ des Reeders) und nebenbei – der Lohnarbeiter.</p>
<p><em>Der Pirat als ‚Zwischenhändler’ – das Lösegeld als ‚Preisaufschlag’</em></p>
<p>Das Nebenbei erscheint hier als Hauptsache, die Geiselnahme der Lohnarbeiter, die vom ökonomischen Standpunkt des Reeders aus auch nichts weiter sind – als ‚Zirkulationskost’. Die Piraten verlangen ‚Lösegeld’ und drohen, eines der drei Elemente zu vernichten. Sie wählen hierbei die Lohnarbeiter. Vom Standpunkt des Reeders erhöhen sich nunmehr die Zirkulationskosten durch den ‚Lösegeld’-Aufschlag. Piraten sind somit streng genommen zusätzliche ‚Zirkulationsagenten’ (Zwischenhändler), die aus der Preis-Perspektive die Warenzirkulation verteuern. – Jedoch hier, und nun sind wir beim Film, schweigt der Reeder. Viele Wochen schweigt er. Die Regierungen der Herkunftsländer des Warenkapitals haben längst Militärkontingente geschickt (von Steuergeld-finanzierten Erwerbsarbeits-Soldaten, die wiederum Abgesandte sind von Steuergeld-finanzierten Vermittlern – Politiker – genannt), um diese Wege frei zu halten von diesen ökonomischen Räubern…</p>
<p>Der Kapitän des in Geiselhaft genommenen Schiffes entwickelt ein persönliches Verhältnis zum Anführer der Piraten (dem neuen Zwischenhändler und Störenfried), um den schweigenden Zwischenhändler ‚Reeder‘ zum Handeln zu bewegen. Es gelingt mit einem Hilferuf und sehr bewegenden Fotos von vier deutschen Geiseln, die mediale Aufmerksamkeit zu erlangen (erzeugt durch Medienarbeiter, die angestellt wurden zur Produktion von verkaufbaren Nachrichtenwaren). Dies wiederum löst schließlich die befreiende Handlung aus: Die deutsche Regierung zahlt eine Lösegeldsumme von (wie es heißt) 2,6 Millionen Euro. Die spezifische Erwerbsarbeit des Piraten hat Erfolg: Die Mannschaft wird frei gelassen. Sie erhalten das Geld, die zusätzliche Zirkulationskost wird gezahlt, zunächst mit Steuergeldern. (Wie viel Geld die deutsche Regierung vom Reeder zurückfordert ist unbekannt.) Das Warenkapital kann seinen Weg zum Bestimmungs- und Verwandlungsort fortsetzen.</p>
<p><em>Jenseits ökonomischer Charaktermasken</em></p>
<p>Jedoch, als alles vorbei ist, tritt ein Konflikt innerhalb der Mannschaft zutage: Der 1. Offizier (ein ehemaliger Bundeswehroffizier) kritisiert den (polnischen) Kapitän, er verurteilt dessen vermittelnde Aktion. Der Kapitän wird entlassen. Weil er das Leben der Leute über die Funktion des loyalen Lohnarbeiters stellte? Weil er keinen Toten „abwarten“ wollte? Weil ihm dieser Tote sinnlos erschien als Beweis der Unnachgiebigkeit der Piraten, monetären Anteil am Zirkulationsgeschäft des Warenkapitals zu beanspruchen? Wie auch immer, der Film enthüllt etwas Verblüffendes: Dem ökonomischen Binnenverhältnis auf dem Schiff entsprang ein moralischer Wert – „der respektvolle Umgang miteinander“ – jenseits der hier verteilten, ökonomischen Charaktermasken. Dieser moralische Wert hatte die (unbewussten) ökonomischen Frontlinien durchkreuzt. So zeigt der Film den „verbrecherischen“ Pirat einerseits als Erwerbsarbeiter und Teilfunktionär eines eigenen ökonomischen Apparats, andererseits als einen Träger des moralischen Wertes „Respekt“. Z.B. als er von einem Mannschaftsmitglied des Schiffes Achtung vor dem eigenen Kapitän verlangt. Z.B. als er sich beim Kapitän entschuldigt, weil er diesem irrtümlich Verrat an einer getroffenen Abmachung unterstellte und ihn dafür erschießen wollte…</p>
<p><em>Die Erschießung einer Person als ökonomische Handlung</em></p>
<p>Was für ein bizarres Bild von ökonomischen Verwerfungen! Der Reichtum der ersten Welt zieht auf Containerschiffen in Schnellbootnähe am ärmsten Teil der Welt vorbei. Was für ein Aufwand, um an Einkommen heranzukommen – auch um teilzuhaben am gigantischen Reichtum unserer Welt. Was für Bilder – vom Piratendorf, von der „Etappe“ des Erwerbsarbeiters „Pirat“, der nach der „Schicht“ ins Inland fährt, zu seiner Familie oder in den Puff. (Die Verteilung der Lösegeld-Summe unter den „Lohnarbeitern“ und anonymen „Arbeitgebern“ muss unsichtbar bleiben.) Und in allem überlebt ein moralischer Wert – ein Rest „Respekt“ des Menschen vor dem Menschen! Die Erschießung einer Geisel „nur“ eine ökonomische Handlung ist, die mit der Achtung vor der Person, die erschossen wird, einhergehen kann… usw. usf. Kurz: Die Ökonomie als Aneignungssystem von Einkommen also die fürchterlichsten und grausamsten Paradoxien erzeugen kann… Und der Dokumentarfilm deckt sie auf und riskiert selbst den Kragen seines Teams, weil er sich ins Zentrum des Geschehens begibt (hier v.a. durch den in Somalia fast allein agierenden Kameramann Yusuf Guul) – und das alles so genau wie möglich anschaut! Die dokumentarische Nähe zum Ereignis hergestellt zu haben, ist die eigentliche grandiose Leistung des Regisseurs Andy Wolff. Den Rest besorgen wir Zuschauer selbst, indem wir das Dokument in unsere Kontexte setzen, die uns möglich sind durch unsere eigenen Perspektiven.</p>
<p>Dank!</p>
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		<title>Wem gehört die Stadt? &#8211; &#8222;Das Venedig Prinzip&#8220;</title>
		<link>https://olafwinkler.info/wem-gehoert-die-stadt-das-venedig-prinzip/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Dec 2012 15:24:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das ist das Fatale am Tourismus: Hier kommt nicht die eingekaufte Ware zum Konsumenten, sondern der Konsument zur Ware. Und das Besondere an dieser Ware ist, sie ist nur einmal da und sie ist immobil. Der Konsument aber ist mobil und in seiner Zahl schier unzählig. Hier fließt er wie ein unerschöpflicher Ameisenstrom durch die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das ist das Fatale am Tourismus: Hier kommt nicht die eingekaufte Ware zum Konsumenten, sondern der Konsument zur Ware. Und das Besondere an dieser Ware ist, sie ist nur einmal da und sie ist immobil. Der Konsument aber ist mobil und in seiner Zahl schier unzählig. Hier fließt er wie ein unerschöpflicher Ameisenstrom durch die Lagunen-Altstadt Venedig (20 Millionen pro Jahr, 60.000 pro Tag). Er umsäumt die steinerne Haut eines versunkenen Zeitalters, worin alte Gewerke und ihre Imitationen als Einkommensarbeit für Touristen überleben, sich ansiedeln und ausweiten: Vermieter, Fremdenführer, Gasthaus-Betreiber, Gondoliere mit Sänger- und Musiker-Anhang, Palastkostümball-Veranstalter mit exklusivem Kostümverleih, gigantomanische Kreuzschiff-Unternehmungen, erlesene Kunst-Galerien, schrille Modegeschäfte… oder Superreiche aus aller Welt, die ihr Geld in Immobilien anlegen und selbst vor Ort kaum erscheinen.</p>
<p><em>Wem gehört die Stadt?</em></p>
<p>Der Film setzt bei einer fast zu übersehenden Perspektive an: Die Einwohner dieses Stadtteils, die verschwinden. Ein tragisches Personal. Eine ehemaliger Gondoliere, ein einheimischer Haus- und Wohnungsmakler, eine touristische Vermieterin, ein Bootslastenfahrer, eine Fremdenführerin. Alle tragisch verwoben: Sie leb(t)en vom Tourismus und zugleich entgleitet ihnen ihre Stadt als Wohn- und Lebensort jenseits ihrer Arbeit.</p>
<p>Und das ist dann auch das Thema hier: Die Enteignung der Lagunenstadt durch die Kapitalisierung ihrer Details und historischen Dimensionen. Die Bürger wandern aus aufs Festland und / oder überleben in den Nischen, teilhabend am Umsatz der Tourismus-Industrie, deren Mit-Funktionäre sie sind. Für mich ergreifend und ernüchternd zugleich vom Regisseur Andreas Pichler begleitet und beobachtet. Wem gehört die Stadt? Dem anonymen, subjektlos gewordenen Kapital, in dessen Hamsterrad von Unternehmens-, Zins- und Lohn-Erzeugung wir uns eintakten: In eben unsere eigenen Doppel- oder vereinseitigten Rollen als Unternehmensgewinn-, Lohn-, Miet-, Grundrenten oder Zinsempfänger?</p>
<p><em>Die Altstadt abgestellt fürs monetäre Gemeinwohl – von den Bürgern selbst?</em></p>
<p>Doch die Lagunen-Altstadt Venedig – weiß ich – ist nur ein Stadtteil der Großstadt Venedig. Ich frage mich: Hat die Gesamtstadt ihre Lagunen-Teilstadt selbst zur touristischen Ware, zur Arbeitsplatz- und Steuereinnahmen-Maschinerie im Auftrag aller abgestellt? Nun, dies würde vermutlich gelten, wenn man unterstellt, dass die Bürgerschaft einer Stadt letztlich der Souverän über das Stadtgebiet ist, das sie besiedelt. Jedoch: Sind Stadtparlament und Stadtverwaltung – bei aller Verselbständigung – nicht vom Bürgerwillen gewählt und bedienstet? Haben die Bürger wirklich nicht die Hoheit, den welt-touristischen Konsumenten zu steuern?</p>
<p>Die Frage reduziert sich, scheint mir: Wer ist der Souverän über das Stadtgebiet? Spätestens an dieser Stelle verlässt mich Ergriffenheit und Mitgefühl. Wenn sich die Bürger nicht gegenseitig überzeugen können, dann wird die Lagunen-Altstadt wohl bald ein kuriose, venezianische Disneyrepublik. Oder von einem anderen Standpunkt ausgedrückt: Wir sehen nichts anders als die Folgen ihrer eigenen Entscheidungen. Pichler hat einen Horror-Film gemacht – über uns selbst, die wir festhalten an einer selbstgewählten Art, wie Gesellschaft funktionieren soll.</p>
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		<title>„Arbeit. Heimat. Opel.“ – Konservatismus im Dokfilm</title>
		<link>https://olafwinkler.info/arbeit-heimat-opel-konservatismus-im-dokfilm/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Nov 2012 15:18:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es geht um eine Gruppe Auserwählter, junge Männer zwischen 16 und 19, Azubis bei Opel Bochum, künftige Industriemechaniker. Sechs von ihnen werden genauer porträtiert. Und ihr Ausbilder, ein schlanker, sportlicher Mann (ca. 50); wir erfahren, er lebt allein. Eine hermetische Situation, formal unerbittlich: Das  Werk wird nie verlassen, Ausbildungsraum, Raucherinsel, Pausenraum, der ‘Hochsitz’ des Ausbilders [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es geht um eine Gruppe Auserwählter, junge Männer zwischen 16 und 19, Azubis bei Opel Bochum, künftige Industriemechaniker. Sechs von ihnen werden genauer porträtiert. Und ihr Ausbilder, ein schlanker, sportlicher Mann (ca. 50); wir erfahren, er lebt allein. Eine hermetische Situation, formal unerbittlich: Das  Werk wird nie verlassen, Ausbildungsraum, Raucherinsel, Pausenraum, der ‘Hochsitz’ des Ausbilders (ein Büro mit großer Sichtscheibe). Ein Kammerspiel zwischen dem Ausbilder und seinen Schützlingen. Von draußen, übers ARD-Fernsehen, schießen Nachrichten ein, über das Tauziehen um Opel, deren „Mutter“ General Motors ist. „Sie stehen am Anfang eines Arbeitslebens, dessen Zukunft bereits ungewiss ist“, schreiben die beiden Regisseure Ulrike Franke und Michael Loeken. Als Auftakt formulieren die Jungs ihre eigenen Werte und Ziele. Wir kennen das von uns selbst, so etwa: Einfach nur glücklich sein. Arbeit haben, Familie gründen, ein eigenes Haus. Beruflich weiterkommen. Soweit so gut. Das ist das Spielbrett – und die Figuren.</p>
<p>Was ich wahrnehme, mit zunehmender Erzähldauer: Hier wird ein „Werte-Transfer“ (nennen wir es mal so) verhandelt. Der Ausbilder vermittelt seinen Jungs, worum es geht, wenn man mittels und in dieser Form der Arbeit (Erwerbsarbeit) seine Ziele erreichen will. Ich bemerke die leise Freude des Ausbilders am „Schleifen“ der Jungs, lange Leine, kurze Leine, Wechsel von Lob und Anranzer. Das lustvolle Frotzeln, auch weil die Kamera da ist. Zunächst empfinde ich Vergnügen, doch allmählich stellt sich bei mir Beklemmung ein. Ich stutze, was der Ausbilder mit seinen Schützlingen macht. Mit fällt auf, er fokussiert weniger darauf, was diesen wichtig ist, sondern darauf, was sie können müssen – und weniger darauf, was sie schon können, sondern mehr darauf, was sie noch nicht können. Kleine Unterschiede, die einen großen machen. Ich spüre seine Sympathien, er hat ‘Lieblinge’ und ‘Problemkinder’ (denen er aber immer ‘eine Chance geben will’). Ich sehe seinen Groll, offnen Ärger. Vom Beschreiben seiner Jungs tritt der Ausbilder ein in das rutschige Reich der Bewertungen und Urteile, schließlich gar in das der Behauptungen und Unterstellungen, denen sich diese mitunter hilflos ausgeliefert sehen. Schon lange interessiert mich nicht, was da draußen verhandelt wird, Opel, GM… Ist mir egal geworden. Der Verdacht stellt sich ein, ist den Regisseuren vor lauter Politik hier was entgangen?</p>
<p>Im Filmgespräch loben manche Zuschauer den Ausbilder, endlich mal einer, der sich für die Jungs ins Zeug legt (stimmt!). Die sind ja von zuhause her verwöhnt und konsumverstopft, hier müssen sie lernen, pünktlich zu sein, ausdauernd, Frustrationstoleranz… Wozu zum Teufel, denke ich, wozu müssen die das? Die Jungs sind hier Objekte von ‘Werten’ einer Gesellschaft, die gerade zerfällt. Und dieser Dokumentarfilm deckt sie grandios auf! Die Regisseure teilen das Lob des Ausbilders. Der Film hat seine Regisseure irgendwie überholt, denke ich…</p>
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		<title>Marx und  &#8222;Downeast&#8220;</title>
		<link>https://olafwinkler.info/dok-leipzig-2012-downeast/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Nov 2012 22:35:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Grit Lemke schreibt in ihrem Katalogtext zu ‚Downeast’ (von David Redman und Ashley Sabin): „In bester amerikanischer Erzähltradition entwickeln sie eine packende, in der ehrliches Unternehmertum („business is personal“) im Verein mit den Arbeitnehmern antritt gegen ein gesichtsloses Finanzkapital. Dabei geht es nicht nur um Existenzen und sehr viel Geld, sondern vor allem um Würde. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://olafwinkler.info/dok-leipzig-2012-downeast/">Marx und  &#8222;Downeast&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://olafwinkler.info">Olaf Winkler</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Grit Lemke schreibt in ihrem Katalogtext zu ‚Downeast’ (von David Redman und Ashley Sabin): „In bester amerikanischer Erzähltradition entwickeln sie eine packende, in der ehrliches Unternehmertum („business is personal“) im Verein mit den Arbeitnehmern antritt gegen ein gesichtsloses Finanzkapital. Dabei geht es nicht nur um Existenzen und sehr viel Geld, sondern vor allem um Würde. Downeast ist überall.“</p>
<p>Vom ökonomischen Standpunkt beschreibt der Film eine paradoxe Situation: Eigentlich müsste der kapital-investierende Lobster-Unternehmer Antonio Bussone gemeinsam mit seiner ihm Kapital leihenden Hausbank die geschaffenen Arbeitsplätze profit-orientiert „ausbeuten“ (= Aneignung von unbezahlter Arbeit). Seine profitable vorgestellte Geschäftsidee besteht darin, Lobster von Fischern zu kaufen, sie durch gemietete Arbeitnehmer zu verarbeiten und zu konservieren und dann gewinnbringend zu verkaufen. Hinterher sollte also mehr Geld rauskommen als er und die Bank gemeinsam rein gesteckt haben. Zwei Kapital-Subjekte stehen hier auf der Bühne (ein Unternehmer und seine Bank), die den Profit einer Geschäftsidee sich aneignen und dann aufteilen müssten – als Unternehmergewinn und Zins. Eigentlich ziehen sie an einem Strick, doch die Fronten geraten hier durcheinander: Das eine Kapitalsubjekt (der Unternehmer) fühlt sich selbst seinen Arbeitskräften (alten Damen und Männern der Kleinstadt) mehr verbunden, während das andere eigentlich „partnerschaftliche“ Kapital-Subjekt (die Hausbank von Antonio) als Feind erscheint – für den Unternehmer Antonio, weil es kein weiteres Kapital leihen will und für die Arbeitnehmer, weil es die Arbeitsplätze bedroht.</p>
<p>Trotz hoher Nachfrage des Produkts (der Ware), verschwinden im Schlund des anonymen Bank-Apparats die Gründe, weshalb sich hier zwei eigentlich Verbündete verfeinden. Aus der ökonomischen Charaktermaske des Kapital-Unternehmers Antonio Bussone tritt plötzlich ein menschliches Drama hervor, während das andere Kapital-Subjekt ‚de-personalisert‘ und anonym erscheint, nur ihre angestellten Funktionäre kann man am Telefonhörer hören…</p>
<p>Stoße im 36. Kapitel/3. Bd. des „Kapitals“ auf eine interessante Figuren-Beschreibung, die mich sehr an Antonio Bussone erinnert. Marx schreibt auf der <a href="http://www.mlwerke.de/me/me25/me25_607.htm">Seite 614</a>: „Selbst wo ein vermögensloser Mann als Industrieller oder Kaufmann Kredit erhält, geschieht es in dem Vertrauen, daß er als Kapitalist fungieren, unbezahlte Arbeit aneignen wird mit dem geliehenen Kapital. Es wird ihm Kredit gegeben als potentiellem Kapitalisten. Und dieser Umstand, der so sehr bewundert wird von den ökonomischen Apologeten, daß ein Mann ohne Vermögen, aber mit Energie, Solidität, Fähigkeit und Geschäftskenntnis sich in dieser Weise in einen Kapitalisten verwandeln kann – wie denn überhaupt in der kapitalistischen Produktionsweise der Handelswert eines jeden mehr oder weniger richtig abgeschätzt wird -, so sehr er beständig gegenüber den vorhandnen einzelnen Kapitalisten eine unwillkommene Reihe neuer Glücksritter ins Feld führt, befestigt die Herrschaft des Kapitals selbst, erweitert ihre Basis und erlaubt ihr, sich mit stets neuen Kräften aus der gesellschaftlichen Unterlage zu rekrutieren. Ganz wie der Umstand, daß die katholische Kirche im Mittelalter ihre Hierarchie ohne Ansehn von Stand, Geburt, Vermögen aus den besten Köpfen im Volk bildete, ein Hauptbefestigungsmittel der Pfaffenherrschaft und der Unterdrückung der Laien war. Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer der beherrschten Klassen in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft.“ – Es ist der Tellerwäscher-Millionär-Mythos, dem Marx hier in die Eingeweide schaut.</p>
<p>‚Downeast’ wirkt plötzlich wie eine aktuelle Illustration von Marx <a href="http://olafwinkler.info/?p=125">(2</a>3. Kapitel/3. Band ‚Kapital‘). Und Bonitzer würde dann ergänzen: Hier liegt die (dokumentarische) Verkörperung einer Idee vor, welche als Problem dargestellt ist. Man muss beim Dokumentarfilme-Machen vielleicht gar nicht soviel nachdenken, es geschieht einfach, durch Anwesenheit bei den Leuten selbst. Die Dramaturgen klären hinterher alles auf.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://olafwinkler.info/dok-leipzig-2012-downeast/">Marx und  &#8222;Downeast&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://olafwinkler.info">Olaf Winkler</a>.</p>
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