Von Franz Josef Strauß belehrt

28.10.2012  |  Thema »Zettelkiste

Bei Spiegelonline kürzlich – im Zuge eines CSU-Artikels – über diesen mausetoten Haudegen gestolpert. Mit Heidenspaß Bonmots von ihm gespeist, die beim zweiten Verdauen (die Kuh soll sogar vier Mägen haben; arbeitsteiliges Verdauen also!), die also beim zweiten Verdauen – ganz gut die letzte, eigne Filmarbeit beschreiben („Der große Irrtum“). Drei grimmige Beispiele vom Franzl nun:  1) „Der einzige Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht darin, dass Gott die Vergangenheit nicht ändern kann, wohl aber können das die Historiker.“ Das trifft wohl recht gut auf Dokfilmer zu – sie haben die Illusion die Realität zu dokumentieren – aber sie dokumentieren vermutlich nur das eigne ‚Umschreiben‘ von Realität – in unserem Fall sogar wie ein Bündel Münchhausen. Weiter: 2) „Ein Schwanz, der gleichzeitig mit zwei Hunden wedelt.“ (Er – meinte die FDP im Jahre 1977.) Unkommentiert. Stattdessen gleich: 3) „Demokratischer Kommunismus ist das gleiche begriffliche Monstrum wie geröstete Schneebälle.“ Ein Schadenfreude befiel mich, mit diesen Wortknüppeln die eignen Grundwerte zu malträtieren. – Wer einen grundlos-interessenloseren Gebrauch seiner Bonmots wünscht (oder auch nicht): Klicke hier!


Zwei Perspektiven auf Dasselbe

28.10.2012  |  Thema »Zettelkiste

Durch die arbeitswütige Sozialpädagogin Svea Lehmann von der Beruflichen Schule Stralsund animiert, las ich mich vor drei Jahren in die Bücher einer (ursprünglich amerikanischen) Therapie-Schule hinein, die mich seitdem nicht mehr loslässt – und fast „jüngerhafte“ Züge bei mir entfachte – die sogenannten radikalen ‚Lösungsfokussierten‘ im Unterschied zur problem-lösungsorientierten Schule und zur psychoanalytischen Schule. Entwickelt und vertreten durch Steve de Shazer, Kim Soon Berg, Therese Steiner, Peter DeJong, Yvonne Dolan u.v.a.

Was mich hier fasziniert ist die unerbittlich-kooperative Art der Beziehung zwischen Therapeut und Klient,  das originelle Repertoire an Fragetechniken und die verblüffenden, oft paradoxen Lösungen für die sogenannten ‚beklagenswerten Zustände‘ des Klienten. Verkürzt gesagt ist der Ausgangspunkt der ‚Lösungsfokussierten‘ doppelt:

Zum einen begegnen sich im klassischen Therapeut-Klient-Verhältnis hier zwei gleichwertige Experten auf Augenhöhe. Der Klient als Experte seines eigenen Lebens und der Therapeut als Experte für Fragen, die er gemeinsam mit dem Klienten bearbeitet. Fragen, die den ‚Klienten‘ in die Lage versetzen, für sich Antworten zu finden, welche er als angemessen empfindet. Antworten, welche er außerhalb des therapeutischen Rahmens in Handlungen auf ihre Brauchbarkeit hin testet.

Zum anderen gehen die ‚Lösungsfokussierten‘ davon aus, dass man den ‚beklagenswerten Zustand‘, den der Klient selbst definiert – aus zwei Perspektiven anschauen kann: Vom ‚Wurst‘-Ende des Problems aus und vom ‚Wurst‘-Ende der (noch nicht gefundenen) Lösung. Dieser Perspektiv-Unterschied hat enorme Konsequenzen auf die Weise des Wahrnehmens und Beschreibens, des Fragens und Nachdenkens der Beteiligten. Vertiefe ich mich in Studien, Erklärungen und Kausal-Beschreibungen des ‚beklagenswerten Zustandes‘ als Problem? Oder ignoriere ich konsequent jegliche Problembeschreibung – und begebe mich sofort auf die Suche nach Lösungsansätzen?

Eine zunächst abschreckende Herangehensweise, hat man doch sein Problem irgendwie ‚lieb‘ gewonnen und selbst schon – oft mit eloquenter Unterstützung anderer – ausführlich ausgedeutet… Nun, allein schon die Definition des tatsächlich ‚beklagenswerten Zustandes‘  ist aus der Perspektive der ‚Lösungsfokussierten‘ verblüffend und faszinierend…

Später hierzu mehr.


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