Die acht Lebenskrisen des Menschen (1)

31.01.2013  |  Thema »Zettelkiste

Legen wir also los – nach der Vorbemerkung – mit unseren großen Lebenskrisen. Die erste zu bewältigende Krise des Menschen (oder etwas neutraler ausgedrückt) die erste zu bewältigende Lebensaufgabe des Menschen:

1. Stadium – ca. 1. Lebensjahr – das Säuglingsalter:
Ur-Vertrauen vs. Ur-Misstrauen
„Ich bin, was man mir gibt.“

Das Gefühl des Ur-Vertrauen als ein „Gefühl des Sich-Verlassen-Dürfens“. Hierzu ist das Kind auf die Verlässlichkeit der Bezugsperson angewiesen. Die Bindung zu der Mutter und die damit verbundne Nahrungsaufnahme spielt eine bedeutende Rolle, da die erste Bezugsperson die Welt repräsentiert. Werden dem Kind Forderungen nach körperlicher Nähe, Sicherheit, Geborgenheit, Nahrung etc. verweigert, entwickelt es Bedrohungsgefühle und Ängste, da eine weitgehende Erfüllung dieser Bedürfnisse lebenswichtig ist. Außerdem verinnerlicht es das Gefühl, seine Umwelt nicht beeinflussen zu können und ihr hilflos ausgeliefert zu sein. Hier entsteht die Gefahr der Etablierung eines Ur-Misstrauens. Es können infantile Ängste des „Leergelassenseins“ und „Verlassenwerdens“ entstehen. Fixierung durch zu starke orale Frustration zeigt sich in oralen Charakterzügen wie Reizhunger, Gier, Leere-Gefühle, Depression, Ur-Misstrauen, starken Abhängigkeitswünschen.

(Zitiert nach dem Lehrblatt von Svea Lehmann, die wiederum den Text montiert hat nach: Olbirch, E. & Todt, E., Probleme des Jugendalters – Neuere Sichtweisen; E. Erikson und Remschmidt – genauer geht’s leider nicht.)


Die trinitarische Formel (4) – ‚Zins‘ und ‚Unternehmergewinn‘

25.01.2013  |  Thema »Kapital Studien

Zurück zur Verdunklung der ursächlichen Quelle der ‚lebendigen Arbeit’, welche wie gesagt zweigliedrig gedacht werden muss – als ‚notwendige Arbeit’ und als ‚Mehrarbeit’. Ich wiederhole zum Verständnis nochmals: ‚Profit‘ = monetärer Überschuss der verkauften Produktmasse gegenüber dem vorgeschossenen Kapital, das für die Erzeugung der Produktmasse erforderlich war. Marx schaut sich das Phänomen des ‚Profits’ nun genauer an. Wer eignet sich diesen ‚Überschuss’ an? Und welche Folgen hat das auf das Sichtbar-Bleiben der ursächlichen Quelle dieses Überschusses (‚lebendige Arbeit‘)?

Marx verfeinert nun den Begriff: Der ‚Profit’ spaltet sich auf – in ‚Zins’ und ‚Unternehmergewinn’. Beide sind Formen des Profits und verselbständigen sich in dieser Aufspaltung als unabhängig voneinander existierende Phänomene – und verdunkeln weiter den Zusammenhang zur ‚lebendigen Arbeit‘.

Die Begriffe ‚Zins’ und ‚Unternehmergewinn’

In knapper Erläuterung: Weil nicht jeder ‚fungierende Kapitalist’ (= ‚Unternehmer’) genügend Kapitalvorschuss für die Produktion einer beabsichtigten Produktmasse aufbringen kann, borgt er sich Kapital in Form von Geld von einem ‚Geldkapital-Verleiher’. Durch den Akt des Borgens verwandelt sich der ‚fungierende Kapitalist’ (= ‚Unternehmer’) in einen Kapitalfunktionär für einen anderen Kapitaleigentümer (‚Geldkapital-Verleiher’). – Der ‚Zins’ nun ist der monetäre Anspruch des ‚Geldkapital-Verleihers’ auf einen Teil des Profits, den der ‚fungierende Kapitalist‘ mittels seiner Unternehmung erzeugte. Jener Profit-Anteil, der beim ‚fungierenden Kapitalist’ verbleibt, nennt Marx – ‚Unternehmergewinn’.

Unsichtbar-Werden der ‚lebendigen Arbeit’ im ‚Unternehmergewinn’ und im ‚Zins’

Doch zurück zum Thema der Verhüllung. Folgende Argumente tauchen nun bei Marx auf: Im ‚Zins’ erscheint dem Geldkapital-Verleiher der Zusammenhang seines verliehenen Geldes zur ‚lebendigen Arbeit’ erloschen. Verliehenes Geld scheint allein durch den Akt des Verleihens mehr Geld geworden zu sein. Die eigentliche Quelle des ‚Zins‘, der Verwandlungsprozess (‚reelle Metamorphose des Kapitals’ genannt) der zwischen dem Akt des Geld-Verleihens und der Zins-Aneignung liegt, ist abgekoppelt und unsichtbar geworden. Marx: „Im Gegensatz dazu scheint dann der Zins als unabhängig, sei es von der Lohnarbeit des Arbeiters, sei es von der eignen Arbeit des Kapitalisten, aus dem Kapital als einer eignen unabhängigen Quelle zu entspringen.“ (S.837) – Doch auch im ‚Unternehmergewinn’ verdrehen sich die Dinge. Marx: „Ein Teil des Profits, im Gegensatz zum andren, löst sich ganz von dem Kapitalverhältnis als solchem los und stellt sich dar als entspringend nicht aus der Funktion der Ausbeutung der Lohnarbeit, sondern aus der Lohnarbeit des Kapitalisten selbst.“ (S.837) ‚Zins’ stellt sich also dar als der verselbständigte ‚Lohn’ für das Geldverleihen – und der ‚Unternehmergewinn’ als der verselbständigte ‚Lohn’ für die Arbeit des ‚fungierenden Kapitalisten’. Kurzum: Beide Profit-Formen (Zins, Unternehmergewinn) erscheinen gegenüber der ‚Mehrarbeit‘ des ‚unmittelbaren Produzenten‘ als vollkommen verselbständigte Quellen für Einkommen. Sie sind nicht (mehr) als Formverwandlungen der ‚Mehrarbeit’ sichtbar.


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